Familienfreundlich? Ja, aber...

Praxisbeispiele zeigen, dass in der Zusammenarbeit von Jobcentern und Lokalen Bündnissen für Familie konkrete Angebote für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entstehen und wichtige Kontakte geknüpft werden können.

Bild zeigt: Kulturstudie
Differenz zwischen angebotenen und den Beschäftigten bekannten Maßnahmen
Quelle: Studie "Unternehmenskultur - Der entscheidene Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit"

Knapp ein Viertel (24 Prozent) der Beschäftigten in Deutschland bewerten die Unternehmenskultur ihres Arbeitgebers in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf als sehr freundlich – so das Ergebnis der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellten Studie „Unternehmenskultur – Der entscheidende Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.

Laut der Studie empfinden in knapp einem Drittel aller Unternehmen (32 Prozent) die Beschäftigten die Unternehmenskultur als nicht familienfreundlich. Dabei weist die Studie einen direkten Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Vereinbarkeit aus: Über 99 Prozent aller Beschäftigten in Unternehmen mit einer sehr familienfreundlichen Unternehmenskultur können Familie und Beruf gut oder sehr gut miteinander vereinbaren. In vielen Unternehmen bestehen nach wie vor zum Teil deutliche Unterschiede darin, wie Arbeitgeber und Beschäftigte das Angebot wahrnehmen. Unternehmen sehen sich insgesamt und in einzelnen Aspekten deutlich positiver als Beschäftigte. Beispielsweise denken 44 Prozent der Unternehmen – fast doppelt so viele wie Beschäftigte (24 Prozent) –, ihre Unternehmenskultur sei sehr familienfreundlich.

Familienfreundliche Maßnahmen sind in Unternehmen nahezu jeder Größe und Branche umsetzbar. Das gilt auch für Unternehmen mit hohen Flexibilitätsanforderungen wie beispielsweise aufgrund von Dienstreisen, Rufbereitschaft oder Schichtbetrieb. Die Kulturstudie verdeutlicht: Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt, wenn der Gestaltungswille und eine familienfreundliche Unternehmenskultur vorhanden sind. Oft tragen innovative Lösungen – unterstützt durch eine angepasste Personalausstattung oder Vertretungsregelungen – dazu bei, dass sich Familie und Beruf auch für Beschäftigte in Branchen mit hohen Flexibilitätsanforderungen gut vereinbaren lassen.

Zentrale Elemente einer familienfreundlichen Unternehmenskultur erleichtern die Umsetzung. Dazu gehören: Passgenaue Maßnahmen – die Angebote entsprechen den Bedarfen der Beschäftigten in unterschiedlichen Lebenssituationen. Führungskräfte als Gestaltende und Vorbilder – sie prägen durch ihr Verhalten und ihre Unterstützung für eine familienfreundliche Unternehmenskultur, wie Vereinbarkeit im Betrieb tatsächlich gelebt wird. Transparenz und aktive Kommunikation – Beschäftigte werden zielgruppengerecht angesprochen und über vorhandene Maßnahmen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner informiert. Nachhaltige Verankerung – Leitbilder, Betriebsvereinbarungen und andere verbindliche Regelungen geben Beschäftigten Sicherheit, ob und wie sie angebotene Maßnahmen nutzen können.

Nachgefragt: Bündnismentor Manfred Weber, Handwerkskammer Wiesbaden – Bündnis für Familie im Landkreis Limburg-Weilburg

„In kleinen und mittleren Betrieben, gerade in Branchen wie zum Beispiel im Bau- und Kfz-Gewerbe oder auch im Bäckerhandwerk, sind es unter anderem die Service- und Öffnungszeiten, Schichtdienste sowie Kundentermine, die flexible Arbeitszeiten erschweren. Aber auch in solchen Fällen werden Lösungen für eine verbesserte Vereinbarkeit entwickelt, da man qualifizierte Fachkräfte halten möchte. Auch die neue Generation Väter möchte über die Vätermonate hinaus Anteil haben – das erfordert gerade für kleine und mittlere Handwerksbetriebe eine gute Planung“, so Bündnismentor Manfred Weber. Für ihn ein gutes Beispiel: die Bäckerei und Konditorei Simon in Waldbrunn. Der Betrieb wurde vom Lokalen Bündnis für Familie bereits zweimal als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. Der Betrieb findet für seine rund 155 Beschäftigten individuelle Lösungen, wenn es darum geht, Familie und Beruf zu vereinbaren. Auch in unvorhergesehenen Situationen können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so die familiären Angelegenheiten regeln, bleiben dem Betrieb aber langfristig als erfahrene Fachkräfte erhalten.

Nachgefragt: Lokales Bündnis für Familie Bielefeld – Bündniskoordinatorin Angela Rehorst, Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe (OWL) zu Bielefeld

Bündniskoordinatorin Angela Rehorst, Leiterin Betriebsberatung der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, weiß aus der Praxis: „In kleinen Handwerksbetrieben ist es oft schwierig, familienbedingte Auszeiten abzufedern. Die Einheiten in den Gewerken sind teils so klein, dass Vertretungslösungen eine Herausforderung darstellen. In vielen Fällen gibt es zwar keine festen Vereinbarkeitsprogramme, Lösungen werden aber bei Bedarf individuell gefunden.“ Ein gutes Beispiel ist für Angela Rehorst die Michael Grübel Trocknungsfachbetrieb GmbH & Co. KG. Das Bielefelder Unternehmen bietet seinen 70 Beschäftigten kurzfristig Urlaubstage oder Freistunden für familiäre Belange, Sonderfreistellung zum Beispiel für pflegende Angehörige im Notfall, Home-Office für eine Außendienstmitarbeiterin, einen betriebsinternen Kinderspielbereich für Betreuungsengpässe. Beiträge für Kindertagesstätten werden als Entgeltbestandteil gezahlt, ein Newsletter informiert Beschäftigte in Elternzeit über Neuigkeiten im Unternehmen.

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